Songs of Work von Bottom Orchestra

2019 WhyPlayJazz (WPJ050), CD + MP3 Album Download

Bottom Orchestra »Songs of Work«

Titelverzeichnis

  1. Prolog mit Tiger  2:54
  2. Teamfrühstück  2:12
  3. schöne neue Zustände  6:12
  4. Businesslunch  1:42
  5. Was machst du?  4:45
  6. Feierabend  3:35
  7. Die Kündigung  5:07
  8. Bottom Up – der Protestsong  7:31
  9. Mantra des Neoliberalismus  4:51
  10. Epilog mit Bass  1:09
  11. Die Lärmalternative  6:03

Besetzung

Kaspar von Grünigen (Kontrabass, Komposition, Texte), Almut Kühne (Stimme), Benjamin Weidekamp (Altosax, Klarinette, Bassklarinette), Uli Kempendorff (Tenorsax, Klarinette), Silvan Schmid (Trompete), Lukas Briggen (Posaune), Manuel Troller (Gitarre), Philip Zoubek (Piano, Synthesizer), Gregor Hilbe (Schlagzeug), Miguel Ángel, García Martín (Perkussion, Marimba)

Produktionsdetails

Recorded by Patrik Zosso at Jazzcampus Studio, Basel. Produced by Kaspar von Grünigen for WhyPlayJazz. Executive Producer for SRF 2 Kultur: Peter Bürli. Mixed and mastered by Patrik Zosso at Soundfarm, Kriens. Artwork by Jan Bachmann. Design by Michael Schultz.

Das BOTTOM ORCHESTRA bietet eine spektakuläre Besetzung mit herausragenden Solisten (das Line-Up spricht für sich) und spürt in den SONGS OF WORK ausgehend von Rhythmus und Sprache unseres postindustriellen Arbeitsalltags den Beziehungen von Mensch, Arbeit und Klang nach – und schaut dabei dem Kapitalismus genau ins neoliberale Maul!

Musik ist zwar erstmal abstrakte Kunst und konkreter Klang, sie kann aber sehr wohl auch aktuelle Themen verhandeln und gesellschaftliche Bezüge herstellen. So schuf sich Kaspar von Grünigen eine einigermassen herausfordernde Ausgangslage: Die SONGS OF WORK sollten ein Stück Musik mit historischen oder fiktionalisierten Referenzen an Klang und Arbeit (etwa Worksong, Shanties, Arbeiterlieder, Industrial) werden – und sich zudem mit Songtexten am aktuellen gesellschaftlichen Diskurs über die Arbeit beteiligen. Daraus ist ein dezidiert antikapitalistischer Songzyklus entstanden, der sich insbesondere mit der Situation des Individuums im neoliberalen Arbeitsumfeld auseinandersetzt.
Das Album startet mit dem PROLOG, einem unheilschwangeren Choral, der ein altes chinesisches Sprichwort zitiert - «Wer den Tiger reitet, hat Angst vor dem Abstieg!» – und sogleich in die alltägliche Hast führt: «Arbeit für dich, Arbeit für mich, Arbeit für ihn, Arbeit an sich...». TEAMFRÜHSTÜCK, eine Improvisation von Gitarre und Klavier, sorgt erstmal für ein kräftiges Durchatmen. SCHÖNE NEUE ZUSTÄNDE befasst sich mit der umstrittenen Idee, durch Auslagerung von Tätigkeiten das Leben schöner zu machen – und sei es auch auf Kosten von anderen durch Billigjobs («Subvertrag, fragmentiert!») oder Robotern («mein kleiner Sklave räumt auf»). In BUSINESSLUNCH improvisieren Schlagzeug, Perkussion zusammen mit der Stimme eine imaginäre konspirative Besprechung.
WAS MACHST DU? beginnt mit unerbittlichen repetitiven Schlaufen, erzählt von Überarbeitung, die letztendlich in Entsolidarisierung unter seinesgleichen mündet. In FEIERABEND blasen sich 2 Saxofonisten den Frust eines langen Arbeitstags aus dem Leib. Die KÜNDIGUNG greift auf eine saturierte Businesssprache zurück, die Interesse und Professionalität suggeriert, in Wahrheit aber eine technokratische Kälte ausstrahlt, die die Not der Arbeitslosigkeit verneint. BOTTOM UP kommt schon beinahe einem Reenactment verschiedener Protesthandlungen gleich – die ganze Band schlägt virtuose Kapriolen, macht ordentlich Lärm und verdichtet mit Sprechchören. Das MANTRA DES NEOLIBERALISMUS horcht nach innen: Wir hören ein durch Blasgeräusche und abgehackte Silben zerfranstes Echo unserer Leistungsgesellschaft - Jede/Jeder hat ihr Motto «reiss dich mal zusammen!» internalisiert und ächzt darunter, daran vermag auch der liebliche und traumbildhafte Refrain nichts zu ändern. Im EPILOG MIT BASS zitiert der Komponist aus einem Essay, der letztendlich die Türe zur Befreiung öffnet – und mit der LÄRMALTERNATIVE setzt das BOTTOM ORCHESTRA einen orchestralen Schlusspunkt, der die Hoffnung auf Veränderung («die Blase platzt, wir hören nicht hin – wir sind schon längst in anderen Rhythmen drin») bis zur Ekstase im ausschweifenden Tenorsaxofonsolo anschwellen lässt.

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