Jazz spielen heißt: Musik transportieren, die so reich ist an Information, Farben und Emotionen, dass es einem das Atmen erleichtert und Brust und Kopf öffnet.
FIELD hat einiges am Start, was es dafür braucht: Ideen, Humor und Energie so breit und tief wie ein Fluss. Und ausserdem die Neugier, darin auf Tiefgang zu tauchen.
Wie die Figur des Tricksters, des Schelms, in der Mythoiogie indigener Völker, der die Regeln in Frage und sich den göttlichen Gegebenheiten in den Weg stellt, wird die Band, sich im weiten Feld von "Jazz" bewegend, zum Vehikel innerlicher und äußerlicher Grenzverschiebung. Mit Instrumenten als Waffe und Werkzeug wird in der Dualität von Licht und Finsterem, von Struktur und Antistruktur agiert. Ob sie überwunden wird?
FIELD spielt Jazz.

Veröffentlichung

Uli Kempendorff’s Field »Heal the Rich«

Heal the Rich
Uli Kempendorff’s Field

2016 WhyPlayJazz (RS026)
CD + MP3 Album Download

Titelverzeichnis

  1. Drehtürwalzer  9:14
  2. Aggressively Loving It  6:00
  3. Kitz  4:53
  4. Sehr Nüchtern  8:12
  5. 3 Halbe  6:23
  6. You Don’t Have To Win Me Over  5:24
  7. Versuchs Doch  4:39
  8. Drehtürwalzer Reprise  1:34

Konzerte

2017

  • 22.03.2017 - Leipzig, DE @ Horns Erben
  • 25.03.2017 - Pohrsdorf, DE @ Saxstall
  • 28.03.2017 - Mannheim, DE @ Klappsmühl
  • 01.04.2017 - Berlin, DE @ Zig Zag Jazz Club

Sie sind Veranstalter und möchten Verfügbarkeit: auf Anfrage.

Töne/Bilder/Videos

Reviews

Paramount in its unforced musical sophistication, Heal the Rich is one Field trip many will want to take.

Ken Waxman, jazzword.com

Overall this is a very solid statement by excellent musicians, who know exactly how to express their ideas and how to play in ensemble setting, sharing responsibilities and inspiring each other. The atmosphere may sound cold and alienated at first, but in time the listener is drawn into the internal universe these musicians create.

Adam Baruch, adambaruch.com

Die vier Musiker erreichen mit einer scheinbar beruhigend distinguierten Distanz zum Geschehen eine einzigartige Gruppendynamik. [...] Der grafisch interessant gestalteten CD würden noch die philosophischen Gedankensplitter Kempendorffs guttun, die er auf der Webseite des Labels publiziert hat.

Detlef A. Ott, Jazzpoduim 5/2016

FIELD lässt die Avantgarde wieder swingen. Jedes Stück auf HEAL THE RICH überrascht mit unerwarteten Tempowechseln und immer wieder neuen Rhythmen.

Werner Barth, BRF1

Throughout, the group's lightning quick interactions and reactions keeps the music flowing and exciting. The comfort and ease the members of Field have playing together is a treat to hear.

Paul Acquaro, freejazzblog.org

HEAL THE RICH richtet sich denn auch nur vordergründig an einen kleinen Personenkreis, in Wirklichkeit ist es gedacht für alle Menschen, die da Ohren haben zu hören.

Tim Caspar Boehme, taz

FIELD spielt Jazz, Punkt. Natürlich ist an dieser Stelle der sprichwörtliche rote Teppich ausgerollt, sich in metaphorischen Ergüssen über die Musik zu verlieren à la “die eruptiven Schlagzeug-Attacken stacheln die schier endlosen Tonkaskaden des Saxophons an, alle Grenzen hinter sich zu lassen und werden dabei behutsam von den warmen Gitarrenakkorden” usw.
Damit wird man der Musik von FIELD am Ende aber nicht gerecht, denn die Musik der Band ist vor allem klar, geradeaus und ehrlich. Durch diese Direktheit bleibt man als Hörer immer dran. Uli sagt, er glaubt fest daran, dass diese Musik ein Gegengift sein kann zu den systembedingten Entfremdungsprozessen, die uns aktuell bedrohen. Wenn ich mir die Platte so anhöre, glaube ich das auch.

Benjamin Weidekamp

FIELDs neues Album heißt “Heal The Rich” und nicht “Kill The Rich”, nicht zuletzt weil diesem Vorschlag (von dem sich unser Titel in so zarter Humanität abhebt) Folge zu leisten bedeuten würde, einen Teil unseres Publikums wenn nicht gar uns selbst zu dezimieren. Musik ist ausserdem ein ausgezeichnetes Heilmittel. Und während es in unserer Welt einen Überfluss an Tötungsinstrumenten gibt, bedarf es dringend einer wirksamen Heilung von der Entfremdung von uns selbst und unserer Umwelt. Dafür scheint Musik wie geschaffen, sie ist sozusagen ein potentielles Rückführungsinstrument in ein bedeutungsvolles Leben. Ein Heilungsprozess bzw. ein Umkehr-und Besinnungsprozess ist auf vielen Ebenen von allerhöchster Dringlichkeit. Wir haben in der westlichen Welt eine Art von Schizophrenie zur Vervollkommnung gebracht, die zwischen einer tatenlosen, klick-getriebenen Empathie für das Elend der Anderen und des gleichzeitigen Perpetuierens eben jenes Elends durch eigene Handlungsweisen und Konsumbedürfnisse pendelt. Die unserem Kulturkreis eigene Wahrnehmung der “Welt” - Natur, Umwelt, Geschichte, Zeit, Wetter, als einen linearen Prozess anstatt als Teil eines komplexen Systems ist in diesem Zusammenhang umso problematischer. Sie erleichtert uns die Illusion, vom Rest der Welt und von den Konsequenzen unseres Handelns isoliert zu sein. Nur so kann man sich z.B. die Torheit eines ständigen Rufes nach mehr Wachstum erklären, obwohl wir spätestens seit 1972 von den Grenzen desselben wissen und dementsprechend handeln müssten. Dabei ist der Trip, den uns die jeden Tag geschluckte Pille vom guten und ewigen Wachstum verschafft, nicht nur tödlich sondern in seiner Visionslosigkeit unendlich fad und langweilig.

Gerade eine Musik wie Jazz hat dem viel entgegenzusetzen: bei ihrer Genese geht nicht primär um Verwertungsstrategien, sondern um den reinen Inhalt, sie ist dafür prädestiniert, alle, oder zumindest viele Seiten der Medaille zu betrachten: der Prozess ist hier immer Teil des Produkts. Für mich bergen Jazz und Improvisationsmusik darum das ganz besondere Potenzial eines Rückführungsangebots, das Teil oder zumindest der Anfang eines Heilungsprozesses sein kann. Heilung beginnt mit Reinigung und Reinigung bedeutet auch Konfrontation mit dem Echten, der Essenz, der Materie, dem Verborgenen. Lasst uns die Oberflächenpräsentation verlassen.

Instrumentalmusik ist absolut, ohne das Wort als direkten Bestandteil der Perfomance lässt sich nichts des obenstehenden aus der Musik allein heraushören oder in sie hineinlesen. Dennoch wird diese Musik gespielt von Individuen, die miteinander Verbindungen eingehen, denen selbstbespiegelnde Betroffenheitsgesten und der Rückzug nach Innen, auf vermeintlich sichere Allgemeinplätze, fernliegen. Die Themen und die Zeit drängen. Soll der nächste Schritt in unserer Evolution ein Bewusstseinssprung sein, gilt es, sich vorzubereiten.

Uli Kempendorff

(…) wie die vier Musiker plötzlich eine leuchtende Klangkollage in den Raum modellieren, leise, versonnen, mit singenden Becken und hellen Glockentönen, ist in seiner pastellenen Farbigkeit wirklich zauberhaft. Eine Musik wie von einem Windspiel, flüchtig, schwebend.
Zwischen diesen beiden Polen der Ausdrucksintensität, zwischen Windspiel und Jimi Hendrix, bewegt sich dieses Konzert und bietet damit eine Fülle von atmosphärischen Eindrücken und musikalischen Gestaltungsweisen: filigranes, geschwindes und dabei absolut präzises Zusammenspiel von Saxofon und Gitarre, friedliche und zugleich geheimnisvoll fragile Kantilenen der Klarinette, skurril stolpernde, ausgefuchste Rhythmen, mit großer Spielfreude zelebrierte Begleitbeats von Schlagzeug und Bass.

Süddeutsche Zeitung

Auf Jazz-Schlagzeuger Oliver Steidle ist Verlass: Immer wenn der Wahl-Berliner, der in Pyrbaum aufgewachsen ist, bei einem Neumarkter Altstadtfest auftritt, begleiten ihn Hochkaräter der Modern-Jazz-Szene der deutschen Hauptstadt. Solche sind Uli Kempendorff (sax, clar, Komposition), Ronny Graupe (gt) und Jonas Westergaard (bs). In milder Abendstimmung, begleitet vom Gezwitscher der von Kempendorff kurz eingebauten Amseln, gab es spannende Kompositionen zu hören. Dass im Modern Jazz nicht einfach drauf los gespielt wird, erwies sich, als die vier Herren ein vier Seiten umfassendes Notenblatt ausbreiteten – und dann eine „Suite“ über die vier Himmelsrichtungen spielten. Der virtuale 360-Grad-Blick wurde begleitet mit einer Abfolge an Tönen, die auf das Erzeugen von Stimmungsbildern im Kopf abzielten. Dieses Anregen von Fantasie zeigte, was Jazz auch kann: Anstoß zu Kino im Kopf.

Lothar Röhrl, Mittellbayerische Zeitung

Field ist (...) eine der vielversprechendsten Formationen der Berliner Jazzszene der letzten Jahre (...), also nichts weniger als eine (weitere) Super Group der Berliner Jazzszene. Jeder der neun Titel ist ein Mikrokosmos voller musikalischer Einfälle, Höhepunkte und Überraschungen.

Rainer Bratfisch, Jazzpodium 11/2013

All-Star-Formation der Berliner Szene. Bebop fürs 21. Jahrhundert (...) eine ungestüme Spielfreude bricht sich immer wieder Bahn und macht die Musik so anziehend. Hier passiert immer wieder etwas Neues, aber der Hörer wird bei dieser Achterbahnfahrt auf eindrucksvolle Weise mitgenommen.

Rolf Thomas, Jazz thing #101

Kempendorff kann schreiben. Diese Musik bedarf nicht vieler Worte zur Beschreibung. Sie soll einfach nur so viel wie möglich gehört werden.

Wolf Kampmann, Jazzthetik