Ein Kondensat entsteht beim Übergang eines Stoffes in einen anderen. Dieser sehr komplexe Prozess gibt Energie an die Umgebung ab. Es geht ums Eindampfen, Komprimieren und Verdichten. Lauter Vokabeln, die den Bandnamen des Trios von Gebhard Ullmann, Oliver Potratz und Eric Schaefer rechtfertigen und diese wahrlich neue Musik beschreiben.
Analoges und Digitales fusionieren, die Erfahrungen aus den Feldern des Jazz mit den neuen Technologien kombinieren, Übergänge von einem ins andere kreieren und dabei das Publikum nicht vergessen. Vielmehr, freigesetzte Energien werden auf das Publikum übertragen. Direkte Vergleichsgrößen fehlen weitgehend für diese losgehende und Spaß machende Musik. Allenfalls irrlichtern Pioniere der Rock-, World- und Jazzavantgarde durch diese unverbrauchten Klänge, die auf unsere schöne neue Welt reagieren.
Das Kondensat springt ab aus dem Museum in ein Jetzt jenseits diverser orthodoxer Lehren. Jazz ist das auch, aber nur unter anderem. Neugier ist die Gier nach Neuem. Darum geht es hier. Mit mal rockig-punchigem, mal melodiös-balladeskem Zugriff, generiert mit neuen Medien in neuen Kontexten. Es ergibt sich ein aus langjähriger Kontinuität gewachsenes Triospiel, das sich erweiterter Mittel bedient, ohne eine anarchische Unverstelltheit zu verlieren.
Diese diskursive Trialogmusik entwickelt ihre ganz eigene Dynamik. Das Trio-Format hat eine lange Geschichte, weil es enorme Räume bietet, die nicht zugestellt sind. Ullmann, Potratz und Schaefer beherrschen dieses hier unabdingbare Agieren und Reagieren, dieses Lenken und Sich-lenken-Lassen vom anderen, dieses Ausformulieren einer gemeinsamen Vision im Offenen.

Veröffentlichung

Das Kondensat »Das Kondensat«

Das Kondensat
Das Kondensat

2017 WhyPlayJazz (RS036)
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Titelverzeichnis

  1. Variations On A Master Plan #3  6:27
  2. Lady In The Sky  2:40
  3. Ich atme Luft von anderen Planeten  3:46
  4. Dubbing with Guy  3:38
  5. Shox  2:50
  6. Grizzly Bear  2:12
  7. Desert... Bleue... East  4:45
  8. Rugged  2:26
  9. Five Slash Seven  2:49
  10. Kitsch #2  4:11
  11. Ich atmete Luft von anderen Planeten  4:02

Konzerte

2017

  • 11.12.2017 - Berlin, DE @ Jazz Units Festival

2018

  • 12.01.2018 - Darmstadt, DE @ Gewölbekeller im Jazzinstitut
  • 04.05.2018 - Berlin, DE @ Aufsturz

Sie sind Veranstalter und möchten Verfügbarkeit: Januar 2018 oder auf Anfrage.

Reviews

Selten klang Gebhard Ullmann lustvoller und unbekümmerter. Genau die richtige Musik, für einen Jubilar und seine Gäste.

Jörg Konrad, Jazzpodium 11/2017

Was sich hier niederschlägt, hat lange gekocht. [...] Das Labor hat sich gelohnt: Das Kondensat ist eine Essenz aktueller Musik mit mitreißender Wirkung.

Tobias Richtseig, Jazzthetik 11-12/2017

Konzept, Bandname, Albumcover, Sound – hier stimmt alles zusammen und lässt den Intellekt des kritischen Hörers zufrieden brummen.

Hans-Jürgen Schaal, Jazz thing #121

Mit Loops und Live-Samples kreieren die drei dichte Kaskaden, die manchmal in Soundscapes, meist aber in deftige Jazz/Rock-Grooves münden. Der Bandname ist klug gewählt: Wie wir aus der Chemie wissen, ist das Kondensat das Ergebnis einer Verdichtung, eines Verdampfungsprozesses.

Martin Schuster, Concerto 5/2017

Der jüngste Streich des preisgekrönten Berliner Saxofonisten, kurz vor seinem 60. Geburtstag im November. Elektronisch infiltrierter Post Jazz, durchwirkt von Potratz’ beweglichem Bassspiel, unterlegt mit Schäfers treibenden Beats.

Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel, Nr. 23 238, Kultur

Das Trio ist voll am Puls der Zeit. „Es geht ums Eindampfen, Komprimieren und Verdichten“, heißt es sehr treffend im Begleittext zur ersten CD des Trios (WhyPlayJazz). Die drei Musiker spielen provokant mit Widersprüchen und offenen Brüchen. Einerseits geben sie sich gar nicht erst die Mühe, die Bruchkanten zwischen Analogem und Digitalem zu verdecken, andererseits gehen beide Bereiche hier gerade deshalb eine zwingende Verbindung ein. Ein gelungenes Update zu den grandiosen No-Wave-Abenteuern der 80er-Jahre.

Wolf Kampmann, Jazz thing 9-10/2017 (#120)