Das Kondensat von Das Kondensat

2017 WhyPlayJazz (RS036), CD + MP3 Album Download

Das Kondensat »Das Kondensat«

Titelverzeichnis

  1. Variations On A Master Plan #3  6:27
  2. Lady In The Sky  2:40
  3. Ich atme Luft von anderen Planeten  3:46
  4. Dubbing with Guy  3:38
  5. Shox  2:50
  6. Grizzly Bear  2:12
  7. Desert... Bleue... East  4:45
  8. Rugged  2:26
  9. Five Slash Seven  2:49
  10. Kitsch #2  4:11
  11. Ich atmete Luft von anderen Planeten  4:02

Besetzung

Gebhard Ullmann (tenor and soprano saxophones, looper, sampler), Oliver Potratz (bass, analog effects), Eric Schaefer (drums, modular synth)

Produktionsdetails

All compositions by Das Kondensat except track 1 & 7 by Gebhard Ullmann and track 2 by Eric Schaefer. Recorded February 22 and 24, 2016 and mixed March 1 and 2, 2016 at Low Swing Tonstudio, Berlin by Guy Sternberg. Samples and sound processing recorded at Bluenoize studios. Produced by Das Kondensat for WhyPlayJazz. Photo by Dovile Sermokas. Design and artwork by Travassos. Recorded with the kind support of the Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten Berlin.

Im 60. Lebensjahr von Gebhard Ullmann (u. a. Jazzpreis Berlin 2017) markieren diese Aufnahmen etwas sehr Besonderes – klischeefreie Rückbesinnung und Aufbruch gleichermaßen. Entstanden ist eine sinnliche elektroakustische Improvisationsgeschichte in elf Kapiteln. In der Summe ergibt das eine Berliner Band der Superlative und ist doch mehr als die Addition ihrer Teile.

Ein Kondensat entsteht beim Übergang eines Stoffes in einen anderen. Es geht ums Eindampfen, Komprimieren und Verdichten. Lauter Vokabeln, die den Bandnamen des Trios rechtfertigen und diese wahrlich neue Musik beschreiben. Entstanden ist eine sinnliche elektroakustische Improvisationsgeschichte in elf Kapiteln. Herausfinden zu wollen, wie man mit Samples, Loops, Effektgeräten und diverser Liveelektronik improvisieren kann, lag in der Luft. Geräte suchen, digitale Techniken begreifen, Programme schreiben und dann die Kopfgeburten in eine vitale Feier des Moments überführen, an die Grenzen gehen und sie überschreiten mit Geräten, die eigentlich nicht fürs freie Spiel gemacht sind.
Analoges und Digitales fusionieren, die Erfahrungen aus den Feldern des Jazz mit den neuen Technologien kombinieren, Übergänge von einem ins andere kreieren und dabei das Publikum nicht vergessen.
Das Kondensat springt ab aus dem Museum in ein Jetzt jenseits diverser orthodoxer Lehren. Jazz ist das auch, aber nur unter anderem. Neugier ist die Gier nach Neuem. Darum geht es hier mit mal rockig-punchigem, mal melodiös-balladeskem Zugriff, generiert mit neuen Medien in neuen Kontexten. Das hat nichts garagenhaft Dilettantisches, sondern ergibt ein aus langjähriger Kontinuität gewachsenes Triospiel, das sich erweiterter Mittel bedient. Tastend suchende Improvisationen stehen neben straighten, runden Kompositionen.
Diese diskursive Trialogmusik entwickelt ihre ganz eigene Dynamik. Ullmann, Potratz und Schaefer beherrschen dieses hier unabdingbare Agieren und Reagieren, dieses Lenken und Sich-lenken-Lassen vom anderen, dieses Ausformulieren einer gemeinsamen Vision im Offenen.
Gebhard Ullmann hat jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit modifizierten Klängen, mit denen er hier seine Sopran- und Tenorsaxofone mal durchs Dickicht schlängelt, mal im luftigen Raum empor schweben lässt, dann wieder zupackend auf den Punkt bringt.
Der E-Bass von Oliver Potratz kann dunkel dräuen und markant grundieren oder zu wunderbaren Linien abheben. Mal mächtig und mal filigran gießt er ein Fundament. Eric Schaefers Drumming als druckvoll, dringlich und dynamisch zu beschreiben wäre eine Untertreibung. Längst hat er sich in die erste Reihe europäischer Schlagzeuger getrommelt. In der Summe ergibt das eine Berliner Band der Superlative und ist doch mehr als die Addition ihrer Teile.

Konzerte

2017

2018

Reviews

Selten klang Gebhard Ullmann lustvoller und unbekümmerter. Genau die richtige Musik, für einen Jubilar und seine Gäste.

Jörg Konrad, Jazzpodium 11/2017

Was sich hier niederschlägt, hat lange gekocht. [...] Das Labor hat sich gelohnt: Das Kondensat ist eine Essenz aktueller Musik mit mitreißender Wirkung.

Tobias Richtseig, Jazzthetik 11-12/2017

Konzept, Bandname, Albumcover, Sound – hier stimmt alles zusammen und lässt den Intellekt des kritischen Hörers zufrieden brummen.

Hans-Jürgen Schaal, Jazz thing #121

Mit Loops und Live-Samples kreieren die drei dichte Kaskaden, die manchmal in Soundscapes, meist aber in deftige Jazz/Rock-Grooves münden. Der Bandname ist klug gewählt: Wie wir aus der Chemie wissen, ist das Kondensat das Ergebnis einer Verdichtung, eines Verdampfungsprozesses.

Martin Schuster, Concerto 5/2017

Der jüngste Streich des preisgekrönten Berliner Saxofonisten, kurz vor seinem 60. Geburtstag im November. Elektronisch infiltrierter Post Jazz, durchwirkt von Potratz’ beweglichem Bassspiel, unterlegt mit Schäfers treibenden Beats.

Gregor Dotzauer, Der Tagesspiegel, Nr. 23 238, Kultur

Das Trio ist voll am Puls der Zeit. „Es geht ums Eindampfen, Komprimieren und Verdichten“, heißt es sehr treffend im Begleittext zur ersten CD des Trios (WhyPlayJazz). Die drei Musiker spielen provokant mit Widersprüchen und offenen Brüchen. Einerseits geben sie sich gar nicht erst die Mühe, die Bruchkanten zwischen Analogem und Digitalem zu verdecken, andererseits gehen beide Bereiche hier gerade deshalb eine zwingende Verbindung ein. Ein gelungenes Update zu den grandiosen No-Wave-Abenteuern der 80er-Jahre.

Wolf Kampmann, Jazz thing 9-10/2017 (#120)