Ein Zentrum der Arbeit des in Köln lebenden Österreichers Philip Zoubek bildet das präparierte Klavier. Zoubek geht es anders als John Cage gar nicht zuerst um die „Inbesitznahme unbeanspruchter Gebiete“ (Alex Ross). Vielmehr sucht er als Pianist immer wieder seinen persönlichen Zugang zu Formen und Materialien des avantgardistischen Jazz und der improvisierten Musik. Früh schon stieß er an Grenzen seines Instruments, die er besonders in dessen eingeschränkter Tongebung sah. Um mit anderen und deren erweiterten Techniken besser interagieren zu können, baute er die klanglichen Möglichkeiten des Klaviers immer mehr aus. In fast zwanzig Jahren hat er sein Vokabular stetig weiter verfeinert. Als Solist, Bandleader oder nachgefragter Mitspieler hat er seine Klangsprache zunehmend individualisiert. Darum geht es ihm: Klangforschung im Offenen betreiben, ausdrücken, was unter den Nägeln brennt, vor dem Hintergrundwissen um eine neue Musik von Morton Feldman bis Peter Brötzmann, von Iannis Xenakis bis zu zeitgenössischen elektronischen Sounds ein Ich artikulieren und damit eine Einladung an den Hörer aussprechen.

Veröffentlichungen

Philip Zoubek Solo »Vortex«

Vortex
Philip Zoubek Solo

2020 WhyPlayJazz (WPJ056)
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Erwartet am 11. Dezember 2020

Titelverzeichnis

  1. Part 1  15:20
  2. Part 2  4:19
  3. Part 3  6:13
  4. Part 4  16:39
  5. Part 5  7:27
Philip Zoubek Solo »Air«

Air
Philip Zoubek Solo

2015 WhyPlayJazz (RS024)
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Titelverzeichnis

  1. Aperion  9:27
  2. Grimace  2:15
  3. Humans, Resonating  4:32
  4. Insecting  7:38
  5. FER  9:36
  6. Odd Beats  9:24
  7. The Quiet Gardens  5:57
  8. Off Distance  11:12

Reviews

Since air is the medium, in which sound travels before it reaches our ears, it becomes in fact an integral part of the sound phenomenon, and as such deserves to serve as this album´s title.

Adam Baruch, adambaruch.com

In virtuoser Manier und mit Gespür für musikalische Dramaturgie baut er diese Klänge zu raffinierten Stücken zusammen, die wie aus einer anderen Welt klingen. Zoubek macht aus dem Klavier mit einfachsten Mitteln ein grandioses Werkzeug musikalischer Travestie, ohne dass dem Tasteninstrument seine Identität abhandenkämen.

Christoph Wagner, Jazzthetik 05/06-2016

Friedel Stutte, Jazz & World, WDR 3

»Air« was conceived as a bold attempt to design new sounds and demanding sonic environment that eventually lead to a new realization of Zoubek voice. Still, the most impressive piece is »FER«, where he combines the new found sounds of the prepared piano with the conventional, non-manipulated one, creating an intriguing and minimalist dramatic narrative that is exceptionally emotional.

Eyal Hareuveni, freejazzblog.org

Weil er sich im Kontext avancierter Spielweisen damit als Fremdkörper vorkam, machte Zoubek aus dem Piano ein anderes Instrument. Mit Präparationen schuf er sich ein spezielles Orchestrion oder Carillon, mit dem er als Gamelan oder Klangskulptur rumzaubern kann. Sophie Agnel und Reinhold Friedl machen das ähnlich, Zoubek verbindet damit aber eigene hohe Ansprüche, insbesondere den, „eine selbst entdeckte emotionale Klarheit auf die Hörer zu übertragen, Kommunikation und Transzendenz.“ Besonders gilt das, auch wenn der Niederösterreicher in Köln sich gern auch als Teamspieler einbringt, mit Hubweber, Lehn, Muche, Tang und wie sie alle heißen, und auch in Ensembles, kleineren wie Emißatett und Nanoschlaf oder großen wie Hübsch Acht und The Multiple Joyce Orchestra, für sein Solospiel. Gestaltet er dabei in der Regel nur zwei oder gar nur ein langes Stück, so sind es hier acht, von denen aber vier doch auch an die 10 Min. oder gar drüber dauern. Mit perkussivem Geklöppel à la John Cage, wobei mir Zoubek weit mehr als Cage ein Faible für Klang als Klang zu haben scheint. Zumindest kostet er das Faszinosum der verschiedenen Schattierungen von tönernen und drahtigen Anschlägen bis hin zu rubbeligem oder gar silbrigem Geflirr und glissandierenden Klangbögen wiedlich aus, von bedachtsam brütend bis generös schüttend. Kullernde Streuung wechselt mit träumerischem Lauschen auf das, was die Finger da ertasten, der Klingklang der Rechten greift in das Dingdong der Linken, regnerisches Tröpfeln fällt auf krabbeliges Gewusel. Er lässt den Drahtkorpus federn und rasseln, erklimmt ameisig höchste Höhen, dongt gongig, zieht das Standuhrwerk auf wie Shandy Sen. Zoubek lässt kleine Dröhnwolken morphen, lässt es kristallig oder wie mit Schalldämpfer läuten, reiht fragende Wiederholungen oder ungrade Beats wie ein aleatorischer Automat. Ich fühle mich eingeladen in einen Klanggarten zur akustischen Läuterung, zu einem atmenden Klarwerden, nicht durch spirituelle Symbolik, sondern durch die tönende Eigenart der Klangkonstrukte selbst.

Bad Alchemy Magazin #88, Rigobert Dittmann