Tightrope von PLOT

2015 WhyPlayJazz (RS023), CD + MP3 Album Download

PLOT »Tightrope«

Titelverzeichnis

  1. Strawberry Fields Forever  3:37
  2. Dazed and Confused  4:35
  3. Fool On the Hill  3:48
  4. I Am the Walrus  5:13
  5. Long and Winding Road  5:07
  6. I Put a Spell On You  7:05
  7. Incident At Neshabur  4:46
  8. Across the Universe  5:26
  9. Run Through the Jungle  5:56

Besetzung

Sebastian Wehle (ts), Robert Lucaciu (b), Philipp Scholz (dr)

Produktionsdetails

Recorded and mixed September 2014 by Florian H. Oestreicher at realistic sound, Munich, Germany. Mastered by Christoph Stickel. Artwork by Cindy Schmid.

PLOT (Junger Münchner Jazzpreis 2014) wagt sich konzentriert und mit improvisatorischer Lockerheit an Stücke der Beatles, Led Zeppelin und Credence Clearwater Revival und macht sie, mit viel Feingefühl, zu ihren eigenen. Philipp Scholz (dr), Robert Lucaciu (b) und Sebastian Wehle (ts) verneigen sich und huldigen der späten 60er Jahre.

PLOT tanzt auf dem Seil, geknüpft aus Rockklassikern. Auf ihrer neuen Album »Tightrope« gelingt es Schlagzeuger Philipp Scholz, Kontrabassist Robert Lucaciu und Tenorsaxophonist Sebastian Wehle, Stücke der Beatles, von Led Zeppelin, Credence Clearwater Revival und Santana so zu interpretieren, dass sie die eigenen werden.
Es ist ein Seiltanz, Kompositionen zu spielen, die jeder kennt, die für Fans in der Originalversion unantastbar, ja heilig sind. PLOT (Junger Münchner Jazzpreis 2014) stellen sich mutig diesem Drahtseilakt. Elegant und geschmeidig, mit großer Konzentration und dabei immenser improvisatorischer Lockerheit spannen sie ihr Seil.
Die Stücke stammen aus den Jahren 1967 bis 1970 und man erkennt sie sofort, aber sie haben ein eigenes, unverwechselbares PLOT-Gesicht bekommen. Mit Feingefühl eignen sich die Musiker die Kompositionen an, greifen mit Leidenschaft nach den Themen, verneigen sich vor den Melodien und huldigen den Grooves.
»Dazed and Confused« von Led Zeppelin knistert und flackert bis es am Ende auflodert. »Strawberry Fields Forever« der Beatles wird zur kantigen Hymne, »Long and Winding Road« zur stillen Meditation. »I Put a Spell On You« lehnt PLOT an die Version von Credence Clearwater Revival an: mysteriös, fauchend, intensiv. CCR’s »Better Run To the Jungle« ist eine schräg-durchgeknallte Freakshow mit Gesangseinlage, während »Across the Universe« die ganze Weite des PLOT-Sounds zeigt.
Die zwei Sachsen und der Bayer, alle Mitte zwanzig und alle Absolventen der Hochschule für Musik in Leipzig, gründeten 2009 PLOT und es ist ihr »Baby«, eine echte Herzensangelegenheit.
Bei weit über 100 Konzerten und drei gemeinsamen CDs hat das Trio einen markanten Bandsound entwickelt.
Man spürt eine Atmosphäre des Miteinander: Wehle, Lucaciu und Scholz dürfen alles, müssen aber nicht alles zeigen. Sie sind miteinander erwachsen geworden und als Künstler gereift. Als Instrumentalisten gefragt, in der deutschen Jazzszene und darüber hinaus, sind sie zusammen eine Band, in der jeder eine eigenständige und tragende Stimme hat.
Der Sound von »Tightrope« entwickelt einen Sog, der auch mit der Stimmung der Instrumente zusammenhängt. Bassist Robert Lucaciu, ein Intonationsperfektionist, schwört auf eine tiefere Grundstimmung der Instrumente. So ist der Kammerton A auf der CD »Tightrope« nicht auf 440 Hertz gestimmt, sondern auf 435. Konkret fällt das nur dem Spezialisten auf, aber dass diese Aufnahme anders, runder, wärmer und erdiger klingt, ist nicht nur eine subjektive Wahrnehmung. PLOT tanzt auf dem Seil, ein unwiderstehliches Ereignis!

Reviews

There is really no need to say much more about this album except that it is one of the most interesting pieces of music I happened to come across in a long time and an absolute must hear to all true Jazz connoisseurs, especially those who also have an affinity to Pop / Rock music.

Adam Baruch, adambaruch.com

Start weg springt der Funke über: Man kennt die Melodien, hat sie so aber noch nicht gehört. Hier werden spielfreudig, klug und raffiniert Horizonte neu aufgezogen.

Freie Presse Chemnitz

Musik von heute – gespielt für Hörer, die sich um Stile vielleicht gar nichts scheren, sich aber an Wiedererkennungs-Effekten mit spannender Verfremdungs-Garantie freuen können. Für Entdecker. Und für Genießer, die auch das Raue mögen. Das vermischt sich hier mit eingängigen Rhythmen und mit einer Spiellust voller unorthodox-jazziger Schönheit. Sperrige Freuden – in musikalischen Plots, die funktionieren.

Roland Spiegel, BR-Klassik

Die Amerikaner haben es leichter. Auf der Suche nach Stoffen interpretieren die Jazzmusiker jenseits des großen Teichs gern Stücke aus ihrem riesigen Songbook, wollen sie beim Publikum auf Abrufbares setzen. Die populären Gesangsstücke aus der Tin Pan Alley, von wo aus sich zwischen Broadway und Fifth Avenue in Manhattan am Beginn des vorigen Jahrhunderts die Musikindustrie ausbreitete, addierten sich zu einem Kanon, den jeder mitpfeifen kann. In immer neuen Variationen hat sich das Rezept bewährt in Neudeutungen, Dekonstruktionen oder Verneigungen. Für Europäer liegen diese Stücke nicht so auf der Hand, deswegen haben ihre Interpretationen oft etwas beflissen Anempfundenes weil sie nicht so selbstverständlich daherkommen können. Hier hat man auf seiner Festplatte andere Sozialisierungsmusiken, zum Beispiel aus dem üppigen Fundus der Rockmusik.

Auf „Tightrope“, seinem zweiten Album, macht das Leipziger Trio PLOT aus dieser Not eine Tugend. Sebastian Wehle (Saxofon), Robert Lucaciu (Kontrabass) und Philipp Scholz (Schlagzeug) agieren ganz im Sinne ihres Bandnamens, wenn sie ihrem Unternehmen ein Handlungsgerüst unterlegen und ihm so eine nachvollziehbare Logik geben. So trudeln ihre Ereignisse nicht im Ungewissen, sondern haben eine konzise und sofort nachvollziehbare Dramaturgie. Oder, um beim Albumtitel zu bleiben, ein straff gespanntes Seil als roten Faden. Auf dem tanzen die drei durch die selige Rockmusik der End-60er Jahre, biegen sich Stoffe von Creedence Clearwater Revival, Led Zeppelin, Santana und immer wieder den Beatles auf die Leiber und machen daraus ausgesprochen reizvolle und elastische Steilvorlagen für ein Jazztrio.

„Strawberry Fields Forever“, „Dazed and Confused“, „I Am the Walrus“, „I Put A Spell On You“ und immer so fort: Vom Start weg, von den ersten gestrichenen Basstönen an, springt der Funke über. Man kennt die Melodien, hat sie so aber noch nicht gehört. Das Saxofon schwelgt und steigert sich in Eruptionen, der Bass spaziert in erhaben filigranen Linien und das Schlagzeug treibt und treibt, auf dass alles in einen faszinierenden Fluss mündet. Diese junge Band ist über die Jahre bestens eingespielt und führt aus dem Museum heraus in die Straßen des Jetzt. Gleichermaßen abgeklärt wie frisch und intensiv ist das, wobei Kopf und Herz eng beieinander sind. Das muss sich nicht im Weitschweifigen ergehen, sondern kann vielmehr nah bei den jeweiligen Kernen bleiben. Die werden jongliert, gestreichelt und emporgehoben von diesen Nachgeborenen der Jazzrevolution. In der Summe ergibt das einen Geniestreich als zugeneigtes Bekennerschreiben.

Wenn dieses Durchsteigen eines Zeittunnels hin zur Basisbibliothek des Populären so unverbraucht auf die Höhe der Zeit führt, liegt das daran, dass PLOT eben nicht simple Kopien liefert. Vielmehr schwingen (und swingen) Altvordere des Jazz mit und erfahren ein imponierendes Update. Das ist kein Klamauk, sondern humorvoll und ernst, sehr vital und eng verzahnt. Im vorigen Jahr erhielt das Trio den „Jungen Münchner Jazzpreis“, gelobt wurden das „geschlossene Bandkonzept“, die „überragende Spieltechnik and Musikalität“.

„Die drei haben sich und anderen nichts mehr zu beweisen. Ihre Musik ist frei von Klischees und dabei tief verwurzeLt in der Tradition der improvisierten Musik“. befand Johannes Enders, einer ihrer Lehrer an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ von wo aus sie sich längst zu Aktivposten nicht nur der Leipziger Szene entwickelt haben. Wie sich Wehle, Lucaciu und Scholz nun die Themen der Rockbarden aneignen, ist weithin ohne Vergleich. Allbekannte und todgenudelte Stoffe befreien sie von ihrer Patina und der Crux, immer möglichst gleich klingen zu müssen damit sich die Gemeinde im verklärenden Weißt-Du-Noch in die Arme sinken kann. Hier werden spielfreudig, klug und raffiniert Horizonte aufgezogen, und es bleibt trotzdem ein großer Spaß. Die entsprechende Hymne auf die drei Drahtseilartisten singt in ihren Linernotes die diesjährige Bachmann-Preisträgerin Nora Gomringer. Sie lädt ein aus diesen Abenteuerspielplatz, von dem aus drei Europäer ihre schlüssigen Antworten auf die amerikanischen Standards senden.

Dr. Ulrich Steinmetzger, Leipziger Volkszeitung

PLOT [...] haben 2014 den Jungen Münchner Jazzpreis gewonnen, und hier kann man hören, warum. Unerschrocken und schwungvoll huldigen sie den Helden der späten 60er: den Beatles, Led Zeppelin und Credence Clearwater Revival. Geschickt und virtuos machen sie Rockklassiker wie „Strawberry Fields Forever“, „Fool On The Hill“ und „I Put A Spell On You“ zu ihren eigenen Liedern.

Ursula Gaia, Silberhorn 04/2015

Und »Heimarbeit« wie auf ihrer Debüt-CD von 2011 ist das schon längst nicht mehr. Da ging es um Waldschrate, Silbertaler und blaue Augen. Jetzt geht es ums Ganze. Und dazu gehört unbedingt auch die selige Rockmusik von Beatles, CCR und Led Zeppelin. Man wird lange nach derartigen Kabinettstücken beim Umpflügen der Strawberry Fields suchen müssen. Wie sich Wehle, Lucaciu und Scholz die Themen der Rockbarden auf den Leib biegen, ist ohne Vergleich. Klar: Es ist der Sänger und nicht der Song. Man darf an Mats Gustafssons Brachialtrios »The Thing« und »Fire!« denken. Doch bei Plot werden die simplen Stoffe von »Apeman« bis »Dazed and Confused« nicht zu infernalischen Signalen, sondern zu humorprallen Hinwendungen zu alten Hits. »I Put a Spell on You« ist dann durchaus wörtlich zu nehmen. Endlich werden die allbekannten Stücke von der Crux der Rockmusik befreit, stets wie die Originale klingen zu müssen, und legen dabei auch ihre Patina ab.
Nicht genug kriegen möchte man davon, wie nach so einer Geniestreichkur den alten Schmachtfetzen die neuen Kleider passen. So klingt es, wenn über den Zaun geschaut wird. Mächtig der Bass, dringlich intensiv das Tenorsaxofon und unerbittlich das Schlagzeug: Ein guter Plot – immer noch und immer wieder. Und wenn man diese Band gehört hat, erst recht.

Ulrich Steinmetzger

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